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„10. IPA-Niedersachsentour“ mit Rekordergebnis

Osnabrück - Nienburg = 614 Kilometer und 25.000 DM

Die 110 Kilometer auf direktem Weg von Osnabrück nach Nienburg sind keine Herausforderung für die Radrennfahrer der IPA Osnabrück. In diesem Jahr waren 614 Kilometer durch das Land zu fahren, um zum „Tag der Niedersachsen“ zu gelangen. Während dieser Tour sollten Spenden und Sponsorengelder für an Leukämie erkrankte Kinder eingefahren werden. Freitag, am 13. Juni, pünktlich um 8 Uhr, gab Bürgermeister Heinz Lunte aus Georgsmarienhütte vor dem Dienstgebäude in Osnabrück dazu den Startschuß.

Diese Tour zu Gunsten der Kinderkrebshilfe ist zwischenzeitlich zu einer ständig wieder-kehrenden Veranstaltung geworden. Sie dient, neben dem sozialen Aspekt, auch der Öffentlichkeitsarbeit für die Polizei und der IPA. Dabei hat sie nicht nur einen großen sportlichen Stellenwert, sondern dient auch der Kameradschaftspflege innerhalb unserer Dienststellen. Insgesamt waren 60 aktive Fahrer aus verschiedenen Bundesländern in ihrer Rennsportausrüstung an den Start gegangen. Sie wurden von 20 Kollegen begleitet, die unterwegs für die Sicherheit, das Gepäck und die Versorgung verantwortlich waren.

Die „9. Tour“ nach Wolfenbüttel erbrachte im vergangenen Jahr einen Reinerlös von 21.000 DM. Dieser Betrag wurde für ein Projekt der Kinderkrebsabteilung in der Universitätsklinik Greifswald zur Verfügung gestellt. Damit konnten wir bisher 119.199 DM für diesen sozialen Zweck „einfahren“.

Auch für das Jahr 1997 erhofften sich die Organisatoren mit der „10. IPA-Niedersachsentour“, der Jubiläumstour, für die der Innenminister des Landes Niedersachsen wieder die Schirmherrschaft übernommen hatte, einen ansehnlichen Spendenbetrag. Dazu gehörte aber auch, die Kosten der Tour möglichst gering zu halten, so daß der größte Teil des Startgeldes in Höhe von 200 DM, zusammen mit den Spenden- und Sponsorengeldern, in den Fond einfließen konnte.

Der Erlös der diesjährigen Tour ist bestimmt für die Stiftung „Hilfe für Petra und andere“, die an Leukämie erkrankten Menschen durch die Suche nach Knochenmark-spendern helfen will. Petra Schimmöller aus Georgsmarienhütte starb im Alter von 16 Jahren an Leukämie, weil sich trotz intensiver Anstrengungen kein geeigneter Spender gefunden hatte.

Nach dem Startschuß durch Bürgermeister Lunte, dem Vorsitzenden der Stiftung, ging es auf die erste Tagesetappe über 215 Kilometer von Osnabrück über Wagenfeld, Emtinghausen und Wangensen nach Stade. Vor dem Fahrerfeld befand sich unser Führungsfahrzeug mit dem Durstmobil von Coca-Cola, danach folgte der Lautsprecher-wagen, von dem alle Informationen und Gefahrenstellen an das Fahrerfeld weitergegeben wurden. Nach 60 Kilometern stieß während der ersten Pause ein NDR-Team zu uns, das uns von Wagenfeld bis Emtinghausen begleitete. Gefahren wurde in „Dreierrotten“ bei einer vorgegeben Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h, wobei jede technische Rast herausgefahren werden mußte. Zwischendurch überkamen uns einige Regenschauer, die uns aber nicht daran hinderten, bereits eineinhalb Stunden vor der Zeit in unserer Unterkunft im Berufsbildungszentrum in Stade einzutreffen.

Es folgte dann ein Abend voller Überraschungen. Nachdem alle Teilnehmer mit einem extra für diese Tour aufgelegten Trainingsanzug von der Firma Wöhrl ausgestattet waren, empfing uns die IPA Stade mit einem Faß kühlen Gerstensaftes. Aber auch die Stadt Stade wollte nicht nachstehen und der Stellvertretende Bürgermeister legte noch „eins drauf“. Somit war die Stimmung nach dieser Tagestour, einem guten Essen und der Unterkunft schon gut angeheizt, als der Höhepunkt des Tages erreicht wurde. Die Kollegen Norbert Müller und Gerd Kronhof von der IPA Stade händigten uns einen Spendenscheck in Höhe von 4.000 DM aus. Diesen Betrag hatten sie seit bekanntwerden unseres Besuches in Stade gesammelt. Der Applaus war immens, die Überraschung war geglückt und wir alle waren „platt“. Unser TvB nahm dieses in heller Freude sogleich zum Anlaß, noch ein weiteres Faß zu „schmeißen“. Doch dieses wollten unsere Mitfahrer aus Pforzheim so nicht hinnehmen und legten sofort ein paar Scheine in den Sammeltopf. Nach wenigen Minuten war mehr als der Gegenwert des Fasses unserem Fond als Spende einverleibt. Gefördert wurde diese Aktion dann auch noch, als die Nachricht eintraf, daß die IPA-Tour inzwischen Nachwuchs bekommen hatte. Einer unserer Fahrer mußte abends eiligst mit dem Zug nach Osnabrück zurückfahren und ist noch in dieser Nacht Vater einer gesunden Tochter geworden.

Nach diesem schönen und stimmungsvollen Abend ging es am Samstag um 09.00 Uhr auf einen Rundkurs über 62 Kilometer. Offensichtlich waren noch alle voller Begeisterung, denn die Geschwindigkeit wurde bis auf 45 km/h erhöht. Unsere Verkehrslenkungskräfte hatten Mühe uns so schnell über die Strecke zu bringen. Kurz hinter Krautsand geschah dann auch das Mißgeschick. Ein Pferd hatte sich verselbständigt und galoppierte erst neben dem Fahrerfeld, bis es dann nach etwa einem Kilometer mitten im Peleton zum Halten kam und vom herbeieilenden Bauern eingefangen werden konnte. Sofort ging es danach wieder mit erhöhter Schlagzahl ohne Schäden nach Stade zur Unterkunft zurück. Für den Nachmittag war Ruhezeit angesagt und wir genossen vom Elbdampfer aus die schöne Aussicht auf Blankenese. Ein weiteres Highlight bot sich aber mit der Besichtigung der historischen Altstadt von Stade. 1990 mußte die „3. IPA-Niedersachsentour“ (Zielort Stade) aufgrund des „Lindwurm-einsatzes“ kurzfristig abgesagt werden, doch eine bessere Entschädigung dafür hätte man uns nicht bieten können.

Sonntag, am dritten Tag, ging es um 07.15 Uhr auf die 172- Kilometer-Strecke zum eigentlichen Zielort unserer „10. IPA-Niedersachsentour“. Um 14.30 Uhr wollte uns unser Schirmherr beim „Tag der Niedersachsen“ in Nienburg auf der Gemeinschafts- bühne empfangen. Nach einer herrlichen Fahrt durch das Alte Land kamen die ersten schwarzen Wolken. Der Regen ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Mit ihm kam die Kälte und die Füße fühlten sich an wie Eisblöcke. Dagegen half nur eines: Kräftig in die Pedale treten, um sich einigermaßen warm zu halten. In Scheßel hatten wir plötzlich ein Fernsehteam von SAT 1 als zusätzliche Begleitung zwischen uns. Voller Erstaunen darüber, daß man bei derartigen Wetterverhältnissen auch noch diese Geschwindigkeiten fahren konnte, begleitete es uns bis nach Nienburg.

Doch bei der Einfahrt in Nienburg hatte sich der Himmel aufgeklart, so daß wir bei strahlendem Sonnenschein, geführt von zwei Dienstrad-fahrenden Kollegen in uns bis dahin völlig unbekanntem Outfit, durch eine jubelnde Menschenmenge zum Veranstaltungsort vorfuhren. Der auf der Bühne anwesende Moderator, Herr Witte, hatte bei seiner Ankündigung für uns schon kräftig die Werbetrommel gerührt, so daß die Begeisterung der anwesenden Besucher doch gewaltig war. Allerdings war Innenminister Glogowski nirgendwo zu sehen. Um so mehr war ich erstaunt, als ich plötzlich unsere Umweltministerin Griefahn in unserem Coca-Cola-Jeep stehend vor dem Durstmobil erblickte. Unser Sponsor Franz Herbert Heydt und TvB hatten sie gesichtet und sogleich zu einem Getränk ins Fahrzeug eingeladen. Sichtlich gerührt brachte sie ihre Begeisterung über dieses Engagement der Tourteilnehmer für diese gute Sache zum Ausdruck. Frau Griefahn ließ sich dann nicht lumpen und legte sofort einen angemessenen Geldschein in die Dienstmütze. Auch unser Landespolizeidirektor Andreas Schiefer - unser alter Tourkollege - war zur Begrüßung erschienen und schloß sich eiligst dieser Sammelaktion an. Und diese Mützen waren jetzt unser wichtigstes Mitbringsel. Die Spendenfreudigkeit war derart angeheizt, daß innerhalb kurzer Zeit ein Betrag von 2.900 DM zusammenkam, der am Abend durch weitere Spender noch auf 3.460 DM aufgestockt werden konnte. Dieses ist der höchste Betrag, den wir jemals vom „Tag der Niedersachsen“ mit auf den Heimweg nehmen konnten.

Am Montag ging es morgens in einem „Ritt“ von Nienburg nach Osnabrück zurück. Um 08.00 Uhr nahmen wir Abschied von der Clausewitzkaserne und begaben uns auf die letzte, 172 Kilometer lange, Tagesetappe. Bei strahlendem Sonnenschein trafen wir um 15.45 Uhr am Rathaus in Osnabrück ein, wo das obligatorische Gruppenfoto gemacht werden sollte. Oberbürgermeister Fip überbrachte hier die Grüße der Stadt Osnabrück.

Die Tour endete am Abend wieder mit dem Abschlußessen in den Räumen der Gaststätte „Zur alten Eversburg“. Hier warteten bereits einige Sponsoren, die uns mit vielen freundlichen Worten noch weitere Schecks überreichten und damit zu einer nochmaligen Erhöhung des Spendenbetrages beitrugen.

Als Beispiel für Spontanität sei noch angeführt: Mitfahrer aus Tauberbischofsheim und Pforzheim organisierten während der Fahrt fernmündlich in ihren Heimatdienststellen Sammlungen für den genannten Zweck. Ergebnis: Zum Tourende nochmalige Erhöhung des Gesamtbetrages. Danke!

Für die Statistiker sei folgendes gesagt:

Gesamtkilometer - 614 bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von - 33 Km/h bei einer Gesamtfahrzeit von 18:39 Stunden.

800 Bananen, 150 Kilo kohlehydratreiche Verpflegung ( gestiftet von Bäckerei Grave),

1500 Liter Erfrischungsgetränke ( gestiftet von Coca-Cola Osnabrück), 100 Trainings-anzüge (gestiftet von Firma Wöhrl-Markenbekleidung) sorgten für das Wohlbefinden während der Fahrt bei allen Fahrern und Begleitern.

Die Spendensumme dieser „10. IPA-Niedersachsentour“ betrug bei Abschluß der Tour 23.000 DM. Da aber unser Spendenkonto noch bis zur Scheckübergabe geöffnet war, sind wir nunmehr in der Lage, einen Betrag in Höhe von 25.000 DM zu überreichen. Denn bis zuletzt konnten wir noch Spenden verbuchen: So sammelte beispielsweise unsere befreundete Verbindungsstelle Derby in England bei ihrem letzten „branch-meeting“ spontan für uns 145 DM. Aber auch Angehörige der Staatsanwaltschaft Osnabrück und hiesiger Polizeidienststellen trugen nach Beendigung der Tour noch mit zur Höhe dieses Spendenbetrages bei.

Da dieses Geld von der Stiftung „Hilfe für Petra und andere“ überwiegend zur Kostenabdeckung von Blutuntersuchungen verwandt werden soll - für eine Blutunter-suchung werden 100 DM zugrunde gelegt - stellen sich auch sogleich die nötigen Blutspender zur Verfügung. Auf Anfrage der Stiftung haben sich nämlich sofort Angehörige der Dienststellen in Osnabrück und der Einsatzhundertschaft der III. Abteilung der Bereitschaftspolizei bereiterklärt, sich in die Spenderdatei aufnehmen zu lassen.

Die „11. IPA-Niedersachsentour“ zum „Tag der Niedersachsenüber Münster nach Meppen findet vom 17. bis 20. Juli 1998 statt.

- Karl-Heinz Thiemann -