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IPA-Niedersachsen-Tour 2008: 

680 Kilometer – Gesamtschnitt 32,37 km/h – über 12.000 Euro

Die „21. IPA-Niedersachsen-Tour“ zu Gunsten der Kinderkrebshilfe zum Tag der Niedersachsen
nach Winsen/Luhe vom 4. bis 7. Juli dieses Jahres gehört der Vergangenheit an. 

Von Stefan Bramkamp & Karl-Heinz Thiemann

Dass die IPA-Tour dem Weltgeschehen manchmal voraus eilt, erkennt man an der Tatsache, dass einen Tag vor dem alljährlich wiederkehrenden Radsportweltereignis, der Tour de France, am Freitag den 04.07.08 zur 1. Etappe unserer Tour gestartet wurde. So erfolgte der Auftakt nicht im französischen Brest, sondern in einer beschaulichen Stadt in Südwestniedersachsen namens Osnabrück. Es ist daher auch verständlich, dass die Weltprominenz bereits in der Bretagne weilte, als der Inspektionsleiter, Leitender Polizeidirektor Michael Maßmann, als einer unserer jüngsten IPA-Mitglieder, den Startschuss zur „21. IPA-Niedersachsen-Tour“ gab.

 

Vergleicht man nun beide Radveranstaltungen miteinander, so muss festgestellt werden, dass vor uns auch nicht 3.500 km an 21, sondern lediglich 680 km an 4 Tagen lagen. Aber die „schlaffen“ Profis fahren auf ihrer längsten Etappe auch nur 232 km. Wir sollten immerhin bereits am 1. Tag die Strecke von 253 km nach Lüneburg bewältigen und dieses alles ohne Dopingmittel.

Neidisch müssen die Profis in Frankreich auf die Organisation und den Luxus der IPA Osnabrück in Deutschland schauen! Kein Sportler muss bangen, alleine die Stecke bewältigen zu müssen. Auch wird zur Aufnahme der mitgeführten Verpflegung standesgemäß Rast gemacht! Erwähnt sei bereits an dieser Stelle, dass der ein oder andere Amateurfahrer noch vor Abfahrt in Osnabrück über das umgestaltete Durstmobil staunte. Nicht mehr die roten Farben mit dem geschwungenen weißen Streifen zierte das Mobil, sondern die polizeimoderne Farbe silber! Findig zeigten sich die Schöpfer auch bei der Namensgebung: IPA-Quelle. Immerhin konnte der durstige Sportler feststellen, dass sich zwar das Outfit geändert hatte, die Quelle aber dabei noch den gleichen Saft von Coca Cola heraus spülte! Warum nun aber der adelige Herr der Quelle unter notarieller Aufsicht fahren musste, erschloss sich nicht sofort. Nicht nur das Abhelfen des Durstes, sondern auch viele logistische Dinge wurden von hier meisterhaft geregelt. Dem sachkundigen Radfahrer dürfte auch ein weiteres kleines - aber wichtiges Detail - an der Quelle aufgefallen sein...Eine neue Kupplung zum Zugfahrzeug war nicht zu übersehen. Vermutlich war der Schock aus der Vergangenheit, als das Durstmobil die Weiterfahrt in die eigene Hand nehmen wollte, Grund dieser Veränderung gewesen.

Nachdem die ersten und vermuteten letzten Steigungen in Osnabrück genommen waren, stoppte der Tross am Freitag bereits nach kurzer Anfahrt bei der Firma AVO in Belm. Dort wurde mit dem eigentlichen Zweck der Fahrt, dem Einsammeln von Spenden zugunsten der Kinderkrebshilfe, begonnen.

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Weiter ging es über einen weiteren Anstieg auf den Kirchplatz von Bad Essen. Schüler der Grundschule Bad Essen sangen nicht nur, sondern führten zugleich eine gelungene Tanzveranstaltung auf. Ein Raunen in Reihen der Sportler kam auf, als Kuscheltiere von den Tänzerinnen auf den Kirchplatz geworfen wurden.

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Allen Kuscheltierliebhabern sei aber gesagt, dass man die Tiere nach der Vorführung liebevoll wieder einsammelte. Nachdem auch hier anlässlich unseres zehnten Besuches ein Scheck von Bürgermeister Harmeyer vereinnahmt werden konnte, folgte nun die wirkliche Herausforderung für den Sportsmann. Es sollte 7 Stunden und 46 Minuten reines Radfahren dauern, bis das Etappenziel Lüneburg erreicht war. Auch die Hoffnung, trocken die Etappe überstehen zu können, erfüllte sich nicht. Bei einer Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit von 32,63 km/h  mussten wir viele Regenschauer ertragen, die uns aber nicht daran hindern sollten, bereits eine Stunde vor der Zeit bei unserer Unterkunft einzutreffen. Es grenzte an ein Wunder, dass bei diesen Witterungsverhältnissen keine Karambolagen oder Stürze zu verzeichnen waren. Dieses ist mit ein Verdienst unseres Begleitteams und den klaren über Lautsprecher gemachten Warnmeldungen.  

Leicht  erschöpft konnten alle Teilnehmer am Freitagabend ihre  Zimmer in Lüneburg beziehen. Dort sollten wir für die nächsten 2 Tage Gäste des Technologiezentrums der Handwerkskammer Lüneburg / Stade sein. Obwohl einer  der  Fahrstühle im Gebäude doch recht merkwürdige Fahrweisen an den Tag legte, konnte das gemeinsame Abendessen pünktlich beginnen, wobei die Brauerei Radeberger, dank Osna-Krause Gertränke ,zur Durstlöschung beitrug.

Pünktlich ging es dann am Samstag auf die Rundtour durch die wunderschöne Lüneburger Heide und durch das Nachbarbundesland Schleswig-Holstein. Bei strahlendem Sonnenschein kam dann während einer Rast an der Elbe auch unser medizinisches Team zum Einsatz.  Nachdem das Hinterteil eines Fahrers wieder flott gemacht worden war,  ging es sofort weiter.  Und siehe da, es tauchten unvermittelt bis zum Veranstaltungsort in Winsen an der Luhe wieder Steigungen auf. Dort trafen wir um 14.45 Uhr beim Tag der Niedersachsen auf unseren Schirmherrn, Innenminister Schünemann. Er empfing uns zusammen mit IPA-Mitgliedern der Verbindungststelle Winsen, die für uns einen Spendenscheck bereithielten.

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Aufsehen erregte einer der dortigen Mitglieder durch seine historische Polizeiuniform. Trotz des zahlenmäßig nicht gerade stark vorhandenen Publikums gelang es einigen tatkräftig sammelnden Radsportlern, den Bürgern weitere Spenden zu entlocken.

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Bewundernswert war hierbei auch die Hartnäckigkeit der Sammler – denn einige hatten bereits zuvor die Sammlung größerer Geldbeträge vollmundig angekündigt. Nach 3,5 Stunden und abgestrampelten 112 km bei sonnig und angenehm warmen Wetter trafen wir am frühen Nachmittag wieder bei unserer Unterkunft ein.

Den Vorteil der zentral liegenden Herberge an der Dahlenburger Landstraße erfuhren nun fast alle Teilnehmer. Immerhin war der Weg in die historische Innenstadt von Lüneburg nicht sehr weit. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die Mehrheit des Feldes nicht gewillt war, den Abend beim Tag der Niedersachsen in Winsen zu verbringen, sondern sich den kulinarischen Lüneburger Köstlichkeiten hingab.

Am Sonntag folgte dann der Umzug in ein bereits aus dem vergangenen Jahr bekanntes Hotel mit exzellenter Küche in Visselhövede. Zuvor mussten allerdings noch „mal eben„ 140 km bei heiterem bis wolkigen Himmel und angenehmen Temperaturen bewältigt werden. Aber auch dies gelang nach etwa 4 Stunden und 11 Minuten. Einige Fahrer ließen sich bereits mit der Vorfreude beflügeln, dass dort ein gut gekühltes Getränk im Biergarten oder auf dem Zimmer eingenommen werden konnte. Auch wurde schon im Vorfeld  überliefert, dass die Gastronomie wieder mit dem allseits bekannten und beliebten Braten aufwarten würde – oder, wie es ein Fahrer im Peloton mit den Worten kommentierte „die sollen wohl wieder eine Heidschnucke aus dem Fell hauen“.  Der Abend war dann durch schmackhafte Leckerbissen geprägt. Neu war dem ein oder anderen der starke Preisanstieg zur Erlangung „bevorzugter Buffetrechte“. Während im letzten Jahr noch 5 Euro gezahlt werden mussten, schoss der Preis auf 20 Euro in die Höhe. Auch „erkauften“ sich nicht nur Einzelteilnehmer sondern eine ganze Tischgruppe dieses Recht. Vermutlich wird im nächsten Jahr eine dreistellige Summe für selbiges auszugeben sein! Hocherfreut zeigte sich hierüber neben dem organisierenden Schatzmeister auch die sich füllende Spendenkasse. So schloss dann der Tag im Jeddinger Hof nach strahlendem Sonnenschein und gutem Essen im hoteleigenen Biergarten ab.

Am letzten Tourtag, dem Montag, ging es wieder in Richtung Heimat. Während der Fahrt konnte am frühen Vormittag auf dem Gelände der Firma Vilsa Brunnen in Bruchhausen-Vilsen erneut ein Scheck in Empfang genommen werden.

Die Geschäftsleitung hatte für jeden Teilnehmer 10 Euro ausgelobt. Über einen eigens aufgebauten Erfrischungsgetränkestand erfolgte die Verkostung neuerlicher Getränkevariationen. Dabei kam dann die Frage auf, wie man in 20 Jahren Tourgeschichte immer wieder an diesem gut aufgestellten Unternehmen vorbeifahren konnte.

 Auf der Fahrt in Richtung Osnabrück erwartete uns nach 21. Tourjahren eine zusätzliche weitere Neuerung, wie sie sonst nur der Profiradsportler erfährt. Zwischenzeitlich hatte sich nämlich das Wetter entschlossen, uns mit einem Temperatursturz, heftigen Hagelkörnern und imposanten Niederschlagswerten zu beglücken. Dieses führte erstmals zum Komplettstopp des gesamten Fahrerfeldes, eines eiligen Wendemanövers und der ungeplanten Rast bei einem völlig überraschten Landwirt. Dessen Unterstellmöglichkeiten wurden kurzfristig - ohne jegliche  Möglichkeit des Widerspruchs - durch die Fahrer beschlagnahmt.

Nach diesem Zwischenstopp ging es dann aber weiter am Dümmer See entlang in Richtung Wallenhorst. Dort erfolgte, wie in den Vorjahren, die Begrüßung durch Bürgermeister Ulrich Belde und Heiner Leerkamp von der Wallenhorster Hanse mit dem alljährlichen Scheck im Rathaus bei einer Tasse heißen Kaffees.

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Den Kuchen unseres Osnabrücker „Tourbäckers“ Grave steuerten wir allerdings eigenständig bei. Zumindest gelobte der Bürgermeister Besserung im nächsten Jahr – dann sollen die einheimischen Mitbewerber zeigen, ob sie in der Liga unseres Bäckers mitspielen können! Glücklich erreichten wir letztendlich nach 5 Stunden und 40 Minuten und der Strecke von 176 km die Stadt Osnabrück.

Wer von den Beteiligten am Montagabend noch die Muße verspürte, eilte zur Belohnung zum Abschlussessen in der Gaststätte „Zur alten Eversburg“. Auch hierbei konnten von langjährigen Freunden und Teilnehmern noch einige Spendenbeträge entgegengenommen werden.

Nachdem bereits eine Woche zuvor anlässlich des Abschlusstrainings von dem  großen Möbelhaus aus Bramsche mit einer stattlichen Summe der Grundstock gelegt worden war, wurde dieser durch ein weltweit agierendes Osnabrücker Schuhhandelsunternehmen noch kräftig angereichert.

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Es folgten weitere Spendeneingänge, die oftmals dank persönlicher Vermittlung von Tourteilnehmern zustande kamen. Eingeschlossen der nicht verbrauchten Startgelder kommen wir nach bisheriger Abrechnung auf einen stattlichen Betrag von über 12.000 Euro. Zu bemerken ist aber dabei, dass die Spendenkasse noch nicht geschlossen ist.  Auch sind weitere Einnahmen zu erwarten aus einer Aktion von IPA-Fahrern beim „Tag der offenen Tür“ am 7. September bei der Polizeiinspektion Osnabrück.  Der endgültige Betrag und der Verwendungszweck wird danach bekannt gegeben.

Betont sei jedoch nochmals ausdrücklich, dass diese Tour nach 21 Jahren erneut so erfolgreich durchgeführt werden konnte, verdanken wir neben unseren vielen Freunden und Gönnern auch den Helfern - während und außerhalb der Tour, sowie den dienstlichen Begleitern. Doch letztendlich gilt ein ganz besonderer Dank den aktiven Fahrern, ohne die die Veranstaltung wohl kaum zustande käme.

Die  Vorbereitungen für die 22. IPA-Niedersachsen-Tour in die Rattenfängerstadt Hameln vom 19. bis 22. Juni 2009 haben bereits begonnen.